Dienstag, 19. Dezember 2017

Erinnern

Ich beginne mich zu erinnern.
Das ich, bevor ich mich vergessen habe, einmal da war.

Nicht in einem anderen Leben, sondern in diesem.

Ich erinnere mich, trotz allem was mir passierte, an
tanzen unter dem Regenbogen,
Schaum im kaum hohen Badewannenwasser erzeugen, am liebsten im Garten,
an frisch gemähtes Gras und Heu,
an Weinberge, soweit das Auge reicht,
an schlafen im Gras unter den Sterne, die aufgereiht in der Milchstraße für mich leuchteten.

Vor allem erinnerne ich mich ans Gefühl, verwurzelt gewesen zu sein, in Jugoslawien, das Wien schon als Wortteil in sich trug.

Wurzeln, eigenartig.
Sie können so stark sein, dich binden, dich erden, dich aus der Bahn werfen.

All das geschriebene habe ich langsam vergessen, weil es nicht zu mir passte, dachte ich.
Weil es so ganz anders war, dachte ich.
Weil es so überhaupt nicht zu dem gehörte, was ich sein wollte.
Heute, viele Jahre später, vermisse ich all das, aber nur kurz.
Denn ich habe es ja nicht vergessen, nur weit in mir vergraben.
Ich werde mal in mich reinsehen, beginnen zu graben und zu entdecken, was mich ausmacht.

Und ich werde beginnen wieder ein Teil von mir zu werden.

Freitag, 1. Dezember 2017

Ich

Ich habe dir schon lange nicht mehr geschrieben.
Habe dir schon lange nicht mehr bei deinem täglichen Tun zugesehen.
Dich schon lange nicht mehr gesehen.

Weißt du, ich hatte nämlich keine Zeit für dich, denn die Tage gingen ein und aus und du selbst hast ja funktioniert. Konntest dich ja auch jederzeit melden wenn du etwas gebraucht hättest.
Also, wenn ich dann die Zeit gehabt hätte, dich dann auch wirklich zu hören, dir zuzuhören, hinzuhören.

Beenden wir doch die Lüge; ehrlich gesagt, ich habe dich vergessen.
Habe dich, alles, dem Tagewerk unterworfen.
Einfach so; genau so ist es passiert.

Und heute?
Heute vermisse ich dich.

Vermisse dich so sehr, dass ich dich nicht einfach anrufen kann und sagen kann: "Hi, na wie geht es dir, heute ist ein toller Tag. Hast du Zeit etwas zu unternehmen?"...

Mit meinen Freunden geht das.
Die verstehen alles, erdulden alles und sagen nicht: "Ach, plötzlich Zeit gefunden oder ist dir langweilig und du brauchst Zerstreuung?"
Das schätzen wir, wir Freunde, wirklich sehr aneinander, denn wir verstehen, wie das Leben jeden Tag einen danieder strecken kann. Freunde verstehen, dass man unter- und wieder auftaucht.
Und vor allem wissen Freunde, dass man sie nicht vergessen hat! Man hatte einfach nur keinen ruhigen Moment der Zeit, keinen Moment des bei sich Seins, der ein echtes Gespräch möglich gemacht hätte.

Nur du, du verstehst es nicht, denn du bist das, was mir immer am nächsten ist.
Nämlich ich selbst.

Und ich habe mich vergessen. Niemand externen, sondern mich, ganz alleine mich, innen drinnen.
Die wichtigste Person in meinem Leben - meinen Körper, meine Seele, meinen Geist, all dies habe ich vergessen. Einfach so. Mit einem Wimpernschlag warst du aus meinem Kopf.

Einfach so, habe ich dich, mich, vergessen.
Ich habe dich verlassen, im Stich gelassen.
Du tatst dann das, was du für richtig erachtet hast.
Du hast mich mal so aus der Bahn, meiner "Zeit", geworfen und mich dir unterworfen.

Tagelang habe ich gehadert, habe dich verflucht und doch habe ich dich verstanden.
Ich habe dich, mich, gehört.

Im Trubel der ersten gehfähigen Tage habe ich dich nur einmal, ganz kurz, vergessen.
Sehr schnell hast du mich an dich, mich, erinnert und ich war dir dankbar.
Dankbar, weil ich erkannt habe, was dich, mich, so unruhig macht.

Der Weg nach draußen fällt mir noch sehr schwer.
Ich "sehe" zwischenzeitlich die Hürden und frage mich, wollen wir Zwei sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter nehmen.

Wollen wir, du und ich, gemeinsam einen neuen Weg einschlagen, bei dem wir uns nicht mehr vergessen?












Freitag, 20. Oktober 2017

Vergebung

Ich vergebe dir.

Ich vergebe dir die fehlenden gemeinsamen Stunden.
Ich vergebe dir die fehlenden, tröstenden, Worte in Stunden der größten Tragödien meines Lebens.
Ich vergebe dir das fehlende Wissen um mein Innerstes, das dir den Umgang mit mir erleichtert hätte.
Ich vergebe dir die fehlenden liebevollen Umarmungen, die mir gezeigt hätten, dass du mich doch liebst.

Ich vergebe dir die fehlenden Taten, die meiner geschundenen Seele und meinen malträtierten Körper hätten gut tuen können.
Ich vergebe dir die fehlenden Erfahrungen in deinem Leben, die meines umso schwieriger machten.

Ich vergebe dir die fehlende Liebe.
Ich vergebe dir die fehlende Liebe zu mir.
Ich vergebe dir die fehlende Liebe zu dir selbst.

All dies schreibe ich dir als Tochter. Und eigentlich will ich dir damit nur sagen, dass ich dich in meinem Leben, damals, vermisst habe.


Vergibst du mir?

Vergibst du mir die fehlenden gemeinsamen Stunden?
Vergibst du mir die fehlenden, tröstenden, Worte in den Stunden  größter Tragödien deines Lebens?
Vergibst du mir das fehlende Wissen um dein Innerstes, dass mir den Umgang mit dir erleichtert hätte?
Vergibst du mir dir fehlenden liebevollen Umarmungen, die dir gezeigt hätten, dass ich dich doch liebte?
Vergibst du mir die fehlenden Taten, die deiner geschundenen Seele und deinem malträtierten Körper hätten heilen können?
Vergibst du mir die gemachten Erfahrungen in meinem jungen Leben, die deines umso schwieriger machten?

Vergibst du mir die fehlende Liebe?
Vergibst du mir die fehlende Liebe zu dir?
Vergibst du mir die fehlende Liebe zu mir selbst?

All das, schreibe ich dir als Tochter. Und eigentlich will ich dir damit nur  sagen, dass ich dich, damals, liebte.


Samstag, 7. Oktober 2017

7 Jahre

Auf den Tag genau vor 7 Jahren, am 7.10.2010,
blickte ich ein letztes Mal in deine Augen.
Sie waren geschlossen, für immer,
und ich blieb alleine zurück.

Du verließt mich damals ohne Vorwarnung,
einfach so, plötzlich, wie man es danach nennt.
Und so war es auch.

Aus dem Leben gerissen,
in den Tod hinübergeglitten.

Du hast die Welten getauscht.
Bist weggegangen und hinterließt,
ja was eigentlich genau?

Natürlich Familie, Freunde und einiges mehr.
Mich hast du am Ende am meisten verlassen.
Mich hast du am Ende am meisten verletzt.

Erst drei oder vier Jahre zuvor,
hatten wir uns einander angenähert,
zu einander gefunden
und dann bist du von uns gegangen.

2009 sagtest du noch: "natürlich hab ich dich lieb".
Das ist das Eigentliche,
dass mir von dir geblieben ist,
denn alles andere hast du mir genommen.

Eine kleine weitere Zeit mit dir.
Eine glückliche Zeit,
in der ich dir zeigen hätte können,
wie ich mich wirklich entwickelt habe.
Ein Abschlussfest an der Uni,
an dem du wenigstens eines deiner Kinder gesehen
und gefeiert hättest.
Du wärst Stolz auf mich gewesen.
Du hättest mich in den Arm genommen.
Du hättest mir zeigen können,
dass ich als drittes von vier Kindern einen "Wert" für dich habe.

Am Ende blieb mir ein Satz, eine Uhr und die Erklärung meiner Stiefmutter,
dass man sich um mich nie wirklich Sorgen hat machen müssen,
da ich immer stark war, immer wissbegierig,
immer mich selbst gut versorgt habe.

Am Ende blieb ich damit alleine.
Am Ende war ich damit verloren und verlassen.


Mittwoch, 27. September 2017

Ein anderes Bild an der Wand

Wieder einmal liege ich wach in meinem Krankenhausbett.
Alles ist gleich geblieben.
Das Stockwerk, die Abteilung, das Personal, nur meine Zimmernummer hat sich geändert und mit ihr mein Bild an der Wand. Ich habe nun einen Sonnenaufgang von Claude Monet, 1872.

Ist es ein Zeichen, dass alles auf Anfang steht?
Auf Erneuerung?
Auf ein Alles ist/wird gut?

Ich wünsche es mir sehr, denn mit dem Bild vom Baum, der mein Baum wurde, blieb ein Teil von mir letztens hier zurück.

In der Welt da draußen, verlor ich mich nämlich zuletzt erneut, nachdem ich dachte, mich endlich (wieder) gefunden zu haben.

Zu schnell habe ich jedoch die alte Reise wieder aufgenommen; ohne die nötigen Korrekturen vorzunehmen.

Zu schnell wollte ich zurück in ein Leben, das ich kenne, das ich beherrschen kann, so glaubte ich es zumindest.
Zu schnell wollte ich....
Ach, eigentlich wollte ich etwas ganz anderes.

Mehr Freiheit, mehr Struktur, mehr Freude, mehr Abgrenzung, mehr Lachen, mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr kennenlernen, mehr neues.
Mehr ich.

Aber... immer wenn ich dachte, jetzt hab ich es begriffen, jetzt wird alles anders, kam eine Zeit des Funktionieren müssens und mit ihr auch die Zeit des Vergessens meiner Selbst.

So oft ist mir das schon passiert, so oft hat es mich schon gebeutelt, ist es diesmal endlich vorbei?
Finde ich endlich zu mir und meinem Weg?
Finde ich endlich raus?

Sonntag, 17. September 2017

Nachtgeflüster

Du stellst immer wieder einmal die selbe Frage; die nach dem Warum.
Wie ich immer wieder weiter machen konnte, obwohl es Dich doch schon gab.
Wie ich immer wieder den selben Fehler nochmal und nochmal machen konnte.
Wie ich immer wieder in den Abgrund stürzen konnte und Dich dabei mitnahm.
Es ist nur eine Frage und dennoch die schwerste, die es zu beantworten gibt, denn es gibt keine wahrhaftige gültige Antwort, gar Entschuldigung, dafür,  nur vielleicht eine Erklärung.
Heute würde ich die Frage, glaube ich, so beantworten...
Ich war auf der Suche nach dem, sagen wir mal, vermissten in meinem Leben.
Nach dem dauerhaft erfahrenen Glück.
Dem gestohlenen Moment der Sicherheit, der nur mir gehörte und mir Frieden gab.
Nach der Ruhe im Sturm.
Nach einer klaren Entscheidung für oder gegen das Leben.
Also habe ich immer weiter gesucht und doch nie eine vollständig befriedigende Antwort gefunden.
Aber so stimmt das auch nicht wirklich.
Ich hatte es ja kurz gefunden und für nicht wahr angenommen.
Daher ging ich weiter, nahm immer wieder, immer wieder das Nächstbeste.
Statt zu verweilen.
Statt zu denken.
Statt zu wählen.
Statt zu erkennen.
Stattdessen habe ich weiter funktioniert.
Immer wieder weiter gemacht, um das zu suchen, was mir einst, in Kindertagen, aus der Hand gelitten war.
Ich selbst.

Das Bild an der Wand im Nichts

Rückblende

Nun war ich doch mal wieder "weg" - danieder g'streckt von einem kleinen Teil meines Körpers, der sich, wie bei vielen atypisch bemerkbar gemacht hat.
Ein, mein, Blinddarm meinte, er brauche ein neues Zuhause; also bekam er was er wollte und ich bekam eine laaange Auszeit.
Und mehr noch, ich bekam eine Auszeit von mir selbst.

Tagelang lag ich im Krankenhaus. Infusion folgte auf Infusion und all die Tage blickte ich auf die weiße Wand, die nur ein Bild trug.
Ein Bild mit einem Baum. Ich kann mich an ihn nicht mehr ganz erinnern, stand er in der vollen Pracht des Sommers am Wasser, oder war es schon der Herbst, der in bunt erstrahlen ließ?
Wie auch immer, er oder es wurde zu meinem Bild, zu meinem Baum ...

Heute

Heute ist Sonntag, die Wiesn ist im vollem Gange und fast auf den Tag genau, einen Monat später, sitze ich also ohne Blinddarm, immer noch geschwächt, auf meiner Couch.
Kalt ist es geworden, kalt und ungemütlich.

Obwohl meine liebste Jahreszeit jetzt beginnt.
Der Herbst schiebt den Sommer ein wenig weiter und alles steht auf Umbruch.
Von sattem Grün geht es auf buntes Rotbraun.
Und von luftig angezogen, geht es auf wohlig warm eingebettet.

Der Umbruch ist sichtbar und der in meinem Selbst auch, mehr denn je.
Ich fühle mich leer, aber mit dem Wunsch, den nächsten Sprung zu wagen, um dann doch nichts von all dem zu tun, was mein Kopf so vor sich hindenkt.

Also beginne ich mir nichts mehr zu erwünschen, denn ich habe alles, und doch fehlt mir etwas Entscheidendes.
Oder ist es nicht entscheidend, weil doch alles wirklich, wirklich gut, ja oft sehr gut, ist.
Ist es vielleicht Jammern auf hohem Niveau? Wahrscheinlich auch, aber die große Veränderung fehlt, sie nagt inzwischen jeden Tag an mir. Sie schreit mir ins Gesicht:" Tu es, tu es, tu es endlich und du wirst sehen, wie gut es dir tun wird!"
Und ich sitze hier und tue nichts, denn alles passiert doch schon in meinem Kopf!
Alles ist gesagt, alles ist längst getan.
Ich bin müde von all dem Tun - all dem Tun in meinem Kopf, nicht in meiner echten Welt.

Es ist wie das eine Bild an der Wand im Krankenhaus.
Es gibt nicht mehr oder weniger, es gibt nur das eine Bild auf einer langen weißen Wand.
Solange ich es mit offenen Augen ansah, war es nur ein Bild mit einem Baum.
Ließ ich meinen Gedanken freien Lauf, eröffneten sich Perspektiven, Verschiebungen und Neuinterpretationen und ich ging auf Reisen.

Das Bild konnte sich bei jedem Anblick verändern, es ordnete sich neu, erfand sich vor meinen Augen neu.
Obwohl sich nichts im Raum oder gar im Bild veränderte, änderte sich alles, alles änderte sich in meinem Kopf.
Meine Kopfreise war so real, dass ich mit der Zeit vor Erschöpfung einschlief, einschlief von dem vielen Sehen und Tun.
Nur nichts davon geschah in meinem Leben.
Nichts.

Mein Leben braucht also einen kleinen, echten Schubs.
Eine kleine Verschiebung des Blickwinkels oder mehr noch, den freien Blick der Phantasie, dem zuerst dem Bild den Raum gibt und danach dem Tun.




Dienstag, 25. Juli 2017

Na fix net!

Nicht mehr mit mir!

Nein zu Deinem Leben.
Nein zu Deiner Vergangenheit.
Nein zu Deinen Gedanken.
Nein zu Deinem Glauben.
Nein zu Deinen Aussagen.
Nein zu Dir.

Alles was ich war,
Wurde ich durch Dich.

Alles was ich glaubte,
War geprägt von Dir.

Alles was ich von Dir hörte,
Glaubte ich Dir.

Damit ist Schluss.
Endgültig.
Ich werde ich.
Durch Dich.
Aber fix net mehr mit Dir.

Montag, 24. Juli 2017

Alles

Aus dem Nichts erschaffen,
aus Allem hervorgegangen.

Aus dem kleinsten Teil geboren,
zum größten Wunder geworden.

Aus dem Dunklen entsprungen,
zum Hellsten erstrahlt.

Aus der Trauer entstiegen,
zum Glück erkoren.

Das Leben,
aus Nichts, zu Allem.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Einst

Einst, baute ich Brücken.

Sie waren groß, modern und überspannten mehrere tiefe Flüsse.

Einst, baute ich Luftschlösser.
Sie waren herrschaftlich, glänzend und voller lustiger und illustren Gesellschaften.

Einst, baute ich Schnellzüge.
Sie waren rasant, stromlinienförmig und um"schifften" elegant jede Kurve.

Einst.

Einst, gab ich diesem Leben mehr Farbe.
Einst dachte ich, an jeder Ecke würde die Welt auf mich warten.
Einst, konnte mir die Welt nicht groß genug erscheinen.

Einst.

Heute blicke ich, erneut wartend und auf der selben Bank sitzend, in die eine Richtung zurück und stelle fest, dass einst einst war.

Und in die andere Richtung blickend, dass mein Heute zu meinem wundervollen Heute und damit auch morgen geworden ist.


Samstag, 15. Juli 2017

Vergessen

Es tut mir leid.

Es tut mir leid,
denn ich habe vergessen Dich zu lieben.

Ich haben es Dir einst versprochen
und auf dem Weg der Zeit habe ich mich verlaufen.

Jahrelang verkauft.
Jahrelang verleugnet.
Mal hier und da für kurze Zeit gefunden
und doch niemals für lange gebunden.

Habe all' mein Versprechen vergessen.
Habe alles allem "Anderem" untergeordnet,
ja regelrecht und regelmäßig allem "Anderen" unterworfen.

Ich habe mein Versprechen nicht gehalten,
denn ich habe Dich zu keiner Zeit geliebt, gar angenommen.

Nun sehe ich der Wahrheit ins Gesicht:
Niemals, niemals liebte ich mich.

Welch' Wunder, dass Du es für mich kannst
und vielleicht werde ich es dann, eines Tages,
auch tun ...



Mittwoch, 28. Juni 2017

Ich habe mich verlaufen …


Ich war jetzt mal eine Zeitlang weg.

Um mich zu suchen, mich zu finden,

ja gar neu zu entdecken.


Also suchte ich dort nach mir.

Und hier nach mir.

An der Ecke.

Am Berg.

Am See.

Am Montag.

Am Samstag.

Überall nichts.

Kein ich.

Nur ein von außen gesehenes „du“.


Was habe ich denn auf meiner Suche nach mir falsch gemacht?

Hast du es schneller erkannt als ich?

Wahrscheinlich, denn ich habe nicht in mir nach mir gesucht.  


So nah war ich mir und doch habe ich mich nicht gespürt.

Ich habe mich verlaufen und mich dabei verloren.

Donnerstag, 20. April 2017

Sommerwind

Einst schrieb ich dir eine Karte.
Lag dabei im Gras
und beobachtete den Sommerwind,
wie er am Himmel die Wolken ☁ verschob.

Träumte dabei von
könnte sein,
könnte werden,
war doch immer schon so gedacht.

Doch ich erwachte irgendwann.
Meine Karte blieb leer,
meine Gedanken verfolgen.

Nichts blieb, als die Erinnerung,
an den Sommerwind,
der das Mögliche brachte und es wieder mitnahm.

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Mittwoch, 19. April 2017

Sortiertes Leben

Ich sortiere wieder.
Von rechts nach links,
von links nach rechts.

Bilde neue Stapel,
aufgrund neuer Blickwinkel.
Löse alte Stapel auf, entrümple sie,
um einen klaren Blick darauf zu werfen.
Bündle sie zu neuen Stapeln, schön sortiert
und fühle mich besser.
Für den Augenblick.

Denn der Wahrheit ins Gesicht blickend,
habe ich mich nur,
wieder einmal, selbst belogen.
Selbst ruhiggestellt.
Alles beim Alten belassen,
nur neu sortiert.

Welch' Lüge.
Welch' vernichtend Zeugnis einer Selbstlüge.
Ich belüge mich selbst, jeden Tag,
denn ich habe Angst,
Angst vor der wirklichen Veränderung.

Den Hohn und Spott der Anderen höre ich gar nicht mehr,
denn ich habe doch etwas verändert,
wie ich immer betone zu sagen.

Nur habe ich es?
Nein.
Die Wahrheit ist unbequem,
sie wird immer lauter in meinem Kopf,
schmerzt mich immer mehr.

Nur wohin mit meinen gut sortierten Stapeln.
Wie sollen sie sich neu zusammensetzen?
Ich weiß es nicht.

Das ist gelogen.
Ich weiß es wohl.
Und davor habe ich Angst.


Sonntag, 16. April 2017

Ich bin viele

Wie kann mein einzig‘ Leben hier
nur so wenig sein für mich?
Bin ich doch so viele
und in ein einzig‘ Leben
passt das nicht.

Denn ...

wenn ich Musik höre,
bin ich wie das Rauschen der Meeresbrandung.
Ausdrucksstark, emotional.
Lebendig.

Wenn ich lese,
bin ich Phantasie,
verpacke Gedanken in neue Bilder und
lassen aus Wolken neue Wirklichkeiten entstehen.

Wenn ich singe,
bin ich die Stimme des Himmels in seinem Wunsch
die Menschen zu erfreuen.

Wenn ich zürne,
bin ich die Zerstörung,
die den Aufbruch zu neuem einleitet.

Wenn ich schlafe,
erschaffe ich die Welt in schillerndsten Farben,
in unendlichen Möglichkeiten,
um am Morgen festzustellen,
dass ich tagsüber all dies verliere.

So bette ich mich heute zur Ruh',
mit der Zuversicht morgen,
ja morgen, meine vielen Leben in eins zu packen
und sie diesmal zu leben.

Nur,
bin ich dafür wirklich bereit?

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Donnerstag, 9. März 2017

Alles in einer Nacht

Alles in einer Nacht

Du raubtest mir die Unschuld.
Du raubtest mir die Jugend.
Du raubtest mir die Unbekümmertheit.
Du raubtest mir die Freiheit.
Du raubtest mir das Vertrauen.
Du raubtest mir die Zukunft.
Du raubtest mir die Vergangenheit.
Du raubtest mir mich.

Alles nur für einen Augenblick deiner Macht - über mich.
Alles für den Augenblick, etwas mit Gewalt genommen zu haben - mich.
Alles für den Augenblick, jemandes Jugend genommen zu haben - meine.

Du hast es genommen, es genossen und für immer in deinem Wissen.

Mich hast du zerstört und geschändet zurückgelassen.
Das Ich in mir ist verschwunden.
Es ist unter Trümmern von Demütigungen, Trauer, Verletzungen, Zorn, Strenge und Bitterkeit begraben, ja regelrecht gelöscht worden.

Ich bin nicht mehr.
Ich werde niemals mehr ich sein.
Ich werde immer nur noch das Danach sein.

Ein Danach, dass sich sein Leben lang an dies eine Mal erinnern wird.
An jedem Tag, an dem es heißt, sei nett zu anderen.
An jedem Tag, an dem es heißt, sei doch nicht so schwierig.
An jedem Tag, an dem es heißt, sei doch wie alle andern.
An jedem Tag, an dem es heißt, sei doch ganz normal.

Es klingt, als sei ich ein Soziopath oder gar ein Borderliner.
Züge davon trage ich seit damals sicher in mir. Nicht offensichtlich.
Aber wer etwas von mir wissen will, sollte mit mehr als dem normalen rechnen.

Den ich bin ein Danach.


Donnerstag, 23. Februar 2017

Augen-Blick

In Deinen Augen
spiegelt sich die beste Seite von mir.

In Deinen Gedanken
bin ich vollkommen.

In Deinen Worten
bin ich klug und wunderschön und das 
Fundament, auf das Du mich stellst, 
ist felsenfest.

Ein Blick von Dir
umhüllt meine Seele mit Liebe
und es wird mir warm ums Herz.

Deine Liebe bedeckt mich
mit einer flauschig-warmen, schneeweißen Decke. 
Sie beschützt mich tagein und tagaus und sie 
bleibt immer flauschig-warm und schneeweiß.
Nichts trübt ihren Eifer, Deine Liebe zu spiegeln.

Wer bin ich also, Dir das alles nicht zu glauben.
Wer bin ich also, ständig an mir zu zweifeln.
Wer bin ich, mich nicht durch Deine Augen der Liebe zu sehen.

Welch' Geschenk machst Du mir!

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Sonntag, 19. Februar 2017

Wörter meines Lebens

Sein
Bin
Werde.

Gewollt
Ungewollt.

Herbeigesehnt
Hinfortgewünscht.

Verehrt
Verachtet.

Hochgelobt
Diffamiert.

Angenommen
Verleugnet.

Alles ich.
Alles mein Leben.
Nur was bin ich?

Donnerstag, 5. Januar 2017

Nostalgie

Wien, 2007 - 2017
Du hast Dich "überlebt".

10 Jahre ist es her.
10 Jahre Entwicklung seit dem Geschehen.

Was früher der Raum zum Sein und Tun war, ist zum Raum der verschiedenartigen Erinnerungen und Nostalgie geworden.

Ein Raum ohne beflügelter Poesie.
Ein Raum ohne Drang zum Sein.

Denn heute bist Du ein, nein, Dein Raum geworden.

Du selbst entspringst dem Sein.
Du selbst bist.

Du hast Dich entwickelt zum eigenen Raum.
Überall und zu jeder Zeit.
Nun sei!

Sonntag, 1. Januar 2017

1.1.2017

Alles auf Anfang.
Alles auf Neu.
Alles auf, ab jetzt, Immer.
Alles auf Bestimmt.
Alles auf Niemals wieder.
Alles auf Öfter.
Alles auf Jetzt.

Alles dies an einem Tag.
Alles dies im neuen Jahr.

Alles ist möglich, an diesem ersten Tag im Jahr.
Alles.
Was ist mit morgen?
https://www.pexels.com/photo/firework-hand-lights-27887/