Mittwoch, 19. April 2017

Sortiertes Leben

Ich sortiere wieder.
Von rechts nach links,
von links nach rechts.

Bilde neue Stapel,
aufgrund neuer Blickwinkel.
Löse alte Stapel auf, entrümple sie,
um einen klaren Blick darauf zu werfen.
Bündle sie zu neuen Stapeln, schön sortiert
und fühle mich besser.
Für den Augenblick.

Denn der Wahrheit ins Gesicht blickend,
habe ich mich nur,
wieder einmal, selbst belogen.
Selbst ruhiggestellt.
Alles beim Alten belassen,
nur neu sortiert.

Welch' Lüge.
Welch' vernichtend Zeugnis einer Selbstlüge.
Ich belüge mich selbst, jeden Tag,
denn ich habe Angst,
Angst vor der wirklichen Veränderung.

Den Hohn und Spott der Anderen höre ich gar nicht mehr,
denn ich habe doch etwas verändert,
wie ich immer betone zu sagen.

Nur habe ich es?
Nein.
Die Wahrheit ist unbequem,
sie wird immer lauter in meinem Kopf,
schmerzt mich immer mehr.

Nur wohin mit meinen gut sortierten Stapeln.
Wie sollen sie sich neu zusammensetzen?
Ich weiß es nicht.

Das ist gelogen.
Ich weiß es wohl.
Und davor habe ich Angst.


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