Samstag, 22. Juni 2019

Vergib mir, Deine Welt ist seit jeher nicht meine Welt

Mein innerliches Aufbäumen gegen Dich zerstört mein tägliches Leben immer mehr und ich beginne zu begreifen, dass ich diesen Krieg - ein Kampf ist es schon lange nicht mehr - entweder endlich wirklich beginnen oder verlieren muss. 

Den Preis für den Sieg kenne ich bereits zu gut, ewig verdammt sein. 
Ob das den Krieg wert ist?

Mein ganzer Körper schreit nach diesem Sieg.

Ich kann das Auf und Ab unserer Begegnungen nicht mehr kompensieren.
Ich kann meine immer wieder von Dir zerstückelten und zerstörten Ich-Teile nicht mehr zusammensetzen. 
Ich kann Dir einfach nicht mehr gestatten, mein Leben als Deine persönliche Operette aufzuführen.

Du hörst meinen Dialogen schließlich auch gar nicht zu. Du veränderst sie nach Deinem Gutdünken. Dichtest dazu, stellst anders dar, nimmst keine Notiz vom Hauptakteur, sondern stellst Dich, als lebendes Leid, immer wieder in den Mittelpunkt. 

Und hier möchte ich zum Verlierer im Krieg werden.
Ich kann Dich doch so gut verstehen. Wie gern würde ich Dich in den Arm nehmen. 
Trösten, lieb haben, Dir den Mantel der Liebe umhängen und Dir Gewissheit geben wollen, dass sie Dich niemals in Stich lassen wird. 
Zu viel Leid musstest Du über 70 Jahre ertragen und wenige Tage Deines Lebens waren wirklich glücklich. Dein Leben war mehr als die Hölle und Du tischt ihm tagtäglich das selbe lachende Fratzenspiel auf. 

Du meinst, Du hast gewonnen.
Aber in Wahrheit hat Dich Deine Vergangenheit jeden Tag im Griff.
Ein Glas hier, ein Glas da, eine Flasche heute, eine Flasche morgen, ist doch alles nicht so wild, nur die Kontrolle ist längst dahin. Die Verletzungen, die Du mir, oft auch uns, zuteil werden lässt, siehst Du nicht mehr, denn Du hast es nicht so gemeint. 

Ich liebte Dich einst für all das, was Du für warst, was Du für mich getan hast. Aber heute kann ich es nicht mehr, denn heute erwarte ich, dass Du Dein Leben im Griff hast und mein wegweisender Stern bist. 

Aber das passiert nicht mehr und der Krieg kommt näher.

Ich werde von Deiner Bühne mit einem Knall abtreten. 
Aber der Sieg wird grausam sein,  gefüllt voller Hässlichkeit und Bitterkeit und er wird bis zu unserem letzten Atemzug zwischen uns stehen. 
Jeden einzelnen Tag werden wir uns daran erinnern.
Ob das wirklich klüger ist, für den einen Moment des Sieges?
Ist das nicht erst recht das schlimmere Übel, anstatt im Nachgang an unsere Treffen mich immer wieder zusammenzusetzen?

Stehen mir all diese verachtenden und zerstörenden Gedanken überhaupt zu? 
Darf ich Ihnen soviel Macht über mich geben? 

Ich weiß es natürlich besser, ich sollte sie nicht so sehr beachten und zur Seite schieben. Nur meine Gedanken bedrängen mich, zerstören jegliche Möglichkeit auf Verdrängung. 
Schieben sich mächtig in den Vordergrund und werfen mich zu Boden, wo ich kraftlos und doch wütend liege. 

Das größte Schauspiel unseres Lebens beginnt erst, aber es wird gleichzeitig das Ende unseres gemeinsamen Lebens bedeuten. 
Und Tag um Tag, Jahr um Jahr wird vergehen, wo wir uns wünschen werden, dass alles soviel anders hätte sein können. 
Aber unser Stolz wird größer sein und unser Elend wird uns jeden Tag begleiten.

Mein Abgang von dieser Bühne steht bevor. 
Der Vorhang wird fallen und mit ihm alles, was vielleicht auch einmal als gut bezeichnet werden konnte. 

Ich kann es nicht ertragen, Dir den Platz in der ersten Reihe meines Lebens einzuräumen. Ich beginne zu zweifeln, ob Du diesen jemals wolltest
Und ich kann Dir nicht mehr den Platz einräumen, den Du - vielleicht niemals - einnehmen wolltest.  

Ich kann Dir die fehlenden Tage meines Lebens einfach nicht mehr verzeihen.
Ich kann, vielmehr, ich will nicht mehr verstehen, nicht mehr erdulden, was Du mir jedes Mal nimmst. 

Der Preis beginnt zu hoch zu werden und Deine Zeit - möge Sie noch lange sein - kann ich nicht mehr abwarten.

Zu viel bedrängt mich in Deiner Gegenwart. 
Zu viel stört mich an Deiner grenzenlosen Gedankenlosigkeit.
Zu viel beginne ich an Dir zu hassen.  

All diese Gedanken rasen durch meinen Kopf und vor meinem Herzen machen sie nicht mehr respektvoll halt. 
Ich kann sie so stark spüren. 

Darf ich diesen Gedanken Raum lasen? Dieser verachtenden und zerstörenden Kraft überhaupt Platz geben?

Meine Flügel, die ich in jungen Jahren aufspannen sollte um fliegen zu lernen, sind durch tägliche Verachtung und  Nichtwissen gestutzt worden.


Ich darf diese Gedanken haben, auch wenn ich sie niemals mit Dir teilen werde.