Mittwoch, 23. März 2016

Gezeiten des Lebens

Innehalten möchte ich.
Aus dem Karussell des Tages aussteigen.
Zeit nehmen.
Einfach so.
Zwischendurch.
Für mich.

Und während ich noch darüber nachdenke, trifft mich das Leben.
Plötzlich, unerwartet, zeigt es mir die schöne Seite.
Wie das Leben sein könnte, in der Zukunft, wenn ich das Leben in mein Leben lasse und mir Zeit nehme.

So wie das Ehepaar, dass gerade neben mir Platz genommen hat.
Im Herbst ihres Lebens, gönnen sie sich ein Essen in der Rathaus Kantine.
Nichts ungewöhnliches und doch so ein seltenes Szenario.
Ein schöner Zauber umgibt sie.
Sie sind von vielen Tellern mit unterschiedlichen Speisen umgeben 
und einer Flasche Bier, die sie sich mit einem Lächeln teilen.
Zwei Gläser werden gefüllt.
Als sie sich ansehen und zuprosten scheint es, als sei Heute für sie 
ein ganz besonderer Tag.
Ist es wohl auch. 

Sie nehmen sich Zeit.
Zeit zum Essen.
Zeit zum Reden.
Zeit zum Lachen.
Zeit für sich.

Wie schön kann die letzte Liebe des Lebens sein.
Wenn man sie versteht und sie im  Moment des Tages gewähren lässt.
Einfach so, zur Freude.

Freitag, 11. März 2016

Ein Lebwohl

Fahrten mit dem Zug treten wir ohne die Gedanken eines möglichen Vorfalls an, bis der Vorfall passiert.

Den ganzen Tag schon wollte ich meine Zugfahrt nicht antreten.
Warum? 
Ich weiß es nicht.
Irgendwas hat sich nicht "gut" angefühlt, und dennoch, ich machte mich auf den Weg, stieg in meinen Zug und begann meine Reise.

Durch die Scheiben konnte ich das Hereinbrechen der Nacht beobachten, als plötzlich mein Zug stehen blieb.
Abrupt.
Grundlos?
Nein.

Laut Lautsprecherdurchsage ereignete sich ein Personenunfall.
Schrecklich, schoß mir durch den Kopf, und während die Stimmen im Abteil und Wagon lauter wurden, bemerkte ich, wie unterschiedlich wir in unserer Wahrnehmung des Lebens, und seines Endes sind.

Die einen ärgerten sich über die unnötige "Verzögerung",  die Anderen nahmen die Nachricht gleichgültig hin, und wieder Andere dachten über das Geschehen nach.
Ihr Blick zog traurig über die dunkle Landschaft und es wurde allmählich stiller.

Während das eine Leben endet, egal ob bewusst oder unbewusst, wird ein anderes, das des Zugführers, zum Albtraum.

Wie unsagbar unerträglich muss das eigene Leben sein, es solch einem Ende auszusetzen?
Wie schlimm muss es sein, es nicht mehr ändern zu können?

Während Du, unbekannter Mensch, heute Abend Deine Augen für immer schlosst, werden die anderen Augen Dein Antlitz immer, bis an ihr Ende, sehen.
Welch hoher Preis für die eigene Erlösung.

Unbekannter, dunkel war es für Dich wohl schon länger. Die Sonne, die jeden Tag aufgeht, konnte Dich nicht mehr wärmen, so dass Du das ewige Dunkel vorzogst.
Ich wünsche Dir also Seelenfrieden und dem Lebenden Lebenswillen.

Dienstag, 8. März 2016

Tränen der Nacht

Wo bin ICH zu finden? 
Während Deine zuckersüßen Worte auf meine Tränen treffen
und Dein einziger Wunsch ist mich und meine Seele zu sehen,
stehe ich alleine im Dunkeln.
Es ist still um mich herum,
in mir tobt jedoch der Sturm.
Alles ist in mir wie auf einer unbeschriebenen Leinwand. 
Leer und weiß. Und doch weiß ich, es ist nicht so.
Meine Leinwand ist schwarz, schwer und düster.

Wo bin ICH zu finden? 
Während Du versuchst, mir Halt zu geben, 
werde ich haltlos in meiner Depression. 
Während Du versuchst, mir Deine Hand zu geben, 
schlage ich sie aus.
Während Du versuchst, mir das Leben zu ermöglichen und zu zeigen, 
suche ich verzweifelt den Tod.

Wo bin ICH zu finden? 
Wo finde ich in mir meinen Sinn? Meine Lust? 
Mein Vertrauen? Mein Leben? 
Wann platzt der Knoten der Selbstzerstörung?

Wann trocknen endlich meine Tränen der Nacht?
Deine liebevollen und sanften Worte verfehlen ihr Ziel,  
mein innerstes zu berühren, nicht, und dennoch, 
ich kann sie in mir nicht festhalten, sie nicht in mir schützen 
und sie sich in mir ausbreiten lassen.
Die Frage, die sich mir nun stellt ist,
wie lange kannst Du die Kraft aufbringen, sie mir immer 
und immer wieder zu sagen. 
Denn ich liebe das Leben mit Dir.

Donnerstag, 3. März 2016

"Nicht erfunden, empfunden." C. D. F.

Meine Lebenszeit verrinnt mir zwischen den Fingern.
Ein Aufhalten erscheint mir kaum möglich, 
obwohl ich es besser wissen müsste. 
Besser weiß, ich muss ehrlich zu mir sein.
Und so denke ich nach über die Zeit.

Zeit.
Ein Wort, dem wir soviel Bedeutung zumessen, 
und doch sinnlos verstreichen lassen.

Wann hast Du Dir das letzte Mal Zeit genommen?
Wirklich Zeit genommen!

Zeit für eine Nachricht.
Eine echte Nachricht an Freunde, Familie und Bekannte?
Nicht das obligatorische: "Wie geht's, alles gut?",
sondern die echte, empfundene Nachricht,
aus der erkennbar wird, 
dass der Anderen Dir wichtig,
wichtig genug ist, für Deine Gedanken, Deine Worte, Dein Leben,
Deine Zeit!

Nimm Dir mal wieder Zeit für einen Menschen
und zeige ihm, dass Du nicht zwischen Tür und Angel 
eine Nachricht sendest mit den Worten und Gedanken "oh, 
ich hab Dir lang nicht mehr geschrieben ... das hol ich schnell 
mit einer kurzen SMS nach ...",sondern eine Nachricht schickst,
die nicht erfunden, sondern empfunden ist.


Caspar David Friedrich Der Träumer (Klosterruine Oybin) 1820-1840