Freitag, 11. März 2016

Ein Lebwohl

Fahrten mit dem Zug treten wir ohne die Gedanken eines möglichen Vorfalls an, bis der Vorfall passiert.

Den ganzen Tag schon wollte ich meine Zugfahrt nicht antreten.
Warum? 
Ich weiß es nicht.
Irgendwas hat sich nicht "gut" angefühlt, und dennoch, ich machte mich auf den Weg, stieg in meinen Zug und begann meine Reise.

Durch die Scheiben konnte ich das Hereinbrechen der Nacht beobachten, als plötzlich mein Zug stehen blieb.
Abrupt.
Grundlos?
Nein.

Laut Lautsprecherdurchsage ereignete sich ein Personenunfall.
Schrecklich, schoß mir durch den Kopf, und während die Stimmen im Abteil und Wagon lauter wurden, bemerkte ich, wie unterschiedlich wir in unserer Wahrnehmung des Lebens, und seines Endes sind.

Die einen ärgerten sich über die unnötige "Verzögerung",  die Anderen nahmen die Nachricht gleichgültig hin, und wieder Andere dachten über das Geschehen nach.
Ihr Blick zog traurig über die dunkle Landschaft und es wurde allmählich stiller.

Während das eine Leben endet, egal ob bewusst oder unbewusst, wird ein anderes, das des Zugführers, zum Albtraum.

Wie unsagbar unerträglich muss das eigene Leben sein, es solch einem Ende auszusetzen?
Wie schlimm muss es sein, es nicht mehr ändern zu können?

Während Du, unbekannter Mensch, heute Abend Deine Augen für immer schlosst, werden die anderen Augen Dein Antlitz immer, bis an ihr Ende, sehen.
Welch hoher Preis für die eigene Erlösung.

Unbekannter, dunkel war es für Dich wohl schon länger. Die Sonne, die jeden Tag aufgeht, konnte Dich nicht mehr wärmen, so dass Du das ewige Dunkel vorzogst.
Ich wünsche Dir also Seelenfrieden und dem Lebenden Lebenswillen.

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