Mittwoch, 7. September 2016

Allein unter vielen

Es ist Mittwoch und wieder treffe ich auf eine Aufgabe, die mich nachdenklich über mich selbst macht.

Werde ich alles schaffen?
Werde ich alles richtig machen?
Werde ich mich danach endlich ablösen?

Nur noch schlimmer ist eine ganz andere Sache: ich bin allein. Allein unter vielen.

Ich sitze im Zug und sehe den zusammengewürfelten Paarungen der Kollegen zu.
Sie lachen miteinander, scherzen, erzählen sich Geschichten, sind wirklich hier.
Und ich?
Ich habe wieder einen dieser schönen Doppelplätze. Für mich, allein.

Es fühlt sich irgendwie an wie damals beim Völkerball.
Als Letzte gewählt zu werden, fand ich immer schon schlimm. Trotz einer großen Treffsicherheit war ich nie die, die am Anfang reingewählt wurde.
Es wurden zuerst beste Freunde gewählt, dann die guten, die zum Sieg nötig waren und zuletzt wurde man nur noch "aufgeteilt". 
Schlimm, wenn man heute darüber nachdenkt! Wie fühlt man sich als Mensch dabei? Was ist der Unterschied zum Menschenhandel ...  Aber lassen wir das heute. Oder nein, es kommt dem Gefühl irgendwie nahe.
Es bleibt am Ende ja doch genau dabei, es ist nicht anders als damals.
Es bleibt beim Letztgewählten.

Natürlich liegt es auch an mir.
Mir fällt Integration zur Freude irgendwie schwerer als anderen, denn ich bin getrimmt auf arbeiten, Rationalität, Schnelligkeit. Spaß und Freunde, das ist ein ganz anderes Thema, für mich zumindest.
Arbeit und Spaß zu verbinden ist doch  grundsätzlich nicht wirklich so schwer. Woran liegt es dann bei mir, dass ich so schwer Zugang bekomme?

Ich bin wie dieses Blatt aus meiner Straße, das heute in der Früh einsam auf meinem Weg lag.
Frisch vom Baum gefallen.
Noch im schönen gelb/grün lag es da.
Niemand fand es wichtig, schön genug es mitzunehmen, anzunehmen.
Bis auf mich.

Bitte verstehen Sie mich richtig, ich bin wirklich gern allein.
Nur die Einsamkeit unter vielen macht mir zu schaffen. Besonders heute.


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